Montag, 29. September 2014

Samstag, 20. September 2014

Die verbotene Bibliothek

Geheimes Wissen der Psychologie

Schlucken Sie keine Kröten: Fressen Sie Krokodile!
Up or Out: Wie Sie garantiert nach oben kommen!

Ein Gastbeitrag von Professor Dr. Johannes Mabuse

Neulich erschien ein Mann in meiner Praxis, Anfang vierzig, Mitarbeiter eines Unternehmens, das weniger durch erfolgreiche Geschäfte als durch Korruptionsskandale und Steuervermeidung aufgefallen ist. 

"Mein Chef sagte im Personalgespräch zu mir: Sie haben eine gute Ausbildung, Sie sehen gut aus, was im Verkauf immer ein Vorteil ist. Sie haben Hirn, aber Ihnen fehlt das gewisse Etwas: Killerinstinkt! Sie haben keinen Biss, Mann!"

"Das ist der Grund, weshalb Sie mich aufgesucht haben?"

"Ja. Er sagt, ich muss an mir arbeiten, sonst komme ich nicht weiter." 

"Richtig. Gute Entscheidung! Wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf?"

"Zweiundvierzig."

"Erstaunlich, dass Sie überhaupt so weit gekommen sind. Gut, wie kann ich Ihnen helfen, Herr ...?"

"Müller. Winnetou Müller."

"Winnetou Müller? Nun, das ist eine Kleinigkeit. Das machen wir gleich mit. Wie wär's mit etwas Preußischem, Lehndorff, Bismarck ... Wollen Sie einen Doktortitel? Ein Adelsprädikat? Einen neuen Lebenslauf? Sprechen Sie mit meiner Sekretärin. Aber die Behandlung ist langwierig und teuer. Sind Sie dazu bereit?"

"Sagen Sie mir, was ich tun muss."

"Wie viele Kröten schlucken Sie pro Woche, mehr oder weniger als drei? Ich schätze, mehr? Sie schlucken doch Kröten, oder? Auf gut deutsch: Wie oft kotzen Sie?"

"Drei Mal am Tag."

"Drei Kröten. Mit Verlaub, das sieht man Ihnen an. Sie wirken ein wenig angestrengt. Schlucken Sie sie runter oder behalten Sie sie unter der Zunge?"

"Die großen schlucke ich runter, die kleinen behalte ich unter der Zunge."

"Es finden sich immer Abnehmer, nicht wahr. Schleudern Sie sie Ihren Kollegen ins Gesicht, was? Ha, ha, ich sehe, wir verstehen uns. Sie sind auf dem richtigen Weg, mein Lieber. Wann ist Ihr nächstes Gespräch?"

"Im August."

"Gut, dann haben wir drei Monate Zeit. Das kriegen wir hin. Ihr Chef wird beeindruckt sein. Ich sage Ihnen jetzt, was Sie tun müssen. Hören Sie zu? Sind Sie bereit?"

"Ja."

"Gut! Punkt eins: Hören Sie auf, Kröten zu schlucken. Fressen Sie Krokodile! Keine Alligatoren, keine Warane - Königskrokodile! Die sind etwas teurer, aber genau die brauchen wir: Die Maneater, verstehen Sie? Beißer! Menschenfresser! Gibt's bei uns nur im Versandhandel. Nehmen Sie einen Vorratspack mit hundert Stück, die halten sich, wenn Sie sie in die Tiefkühltruhe legen. Abends nehmen Sie eines heraus und lassen es im Kühlschrank auftauen.

Indem Sie zu mir gekommen sind, haben Sie die richtige Entscheidung getroffen, ich sagte es bereits. Aber ich bin nicht billig. Ich arbeite nur mit den besten Zutaten. Ich kann Ihnen für Ihren Termin eine Tapferkeitsmedaille leihen oder das Truppenabzeichen der Legion Condor. Aber mein Honorar ist nicht verhandelbar. Wenn Sie es billiger wollen, gehen Sie zur Konkurrenz. Einverstanden?"

"Voll und ganz!"

"Gut. Kommen wir zu Punkt zwei. Der heikelste Punkt. Die Zubereitung. Wir stellen uns mal ganz dumm: Was ist ein Krokodil? Im Prinzip ein Schalentier, nichts anderes als eine zu groß geratene Garnele. Wir bereiten es zu wie einen Hummer. Nehmen Sie einen hinreichend großen Topf, füllen Sie ihn mit Wasser, geben Sie etwas Salz hinein, erhitzen Sie es und geben Sie das Krokodil dazu - langsam und unter ständigem Umrühren, damit es nicht anklebt! 

Und jetzt müssen Sie gut aufpassen! Jetzt kommt der Trick: Es darf unter keinen Umständen kochen! Wenn es kocht, verliert es den Biss; dann können wir es den Hasen geben. Sie müssen es garen. Langsam auf den Punkt garen und erkalten lassen.
Königskrokodil mit Stangenspargel und Sauce Hollandaise
 Rache ist eine Speise, die kalt genossen wird. Denken Sie daran. 


Vor dem Verzehr entfernen wir den Kopf und den Schwanz mit einer Krokodilschere. Dann drehen wir den Burschen um  - mit  leicht angefeuchteten Fingern - und nehmen den Brustpanzer und die Beinchen ab. Das ist alles. Bitte einmal täglich auf nüchternen Magen! 

Schonend zubereiten und kalt essen - das sind die beiden Dinge, die Sie sich merken müssen. Rechnung kommt per Post. Wir sehen uns in vierzehn Tagen. Lassen Sie sich draußen einen Termin geben."

Wenn auch Sie Fragen an unseren Psychologen haben, hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben Sie uns!

Donnerstag, 18. September 2014

Eine Fallstudie aus der Praxis

Kommenden Samstag startet in diesem Blog unsere neue Reihe Die verbotene Bibliothek. Zum Auftakt erscheint ein Gastbeitrag von

 Professor Dr. Johannes Mabuse
 Eine Fallstudie aus der Praxis

Doktor Mabuse ist der Enkel des berüchtigten Doktor Erich Mabuse, der von Beruf Psychoanalytiker war und bekanntlich ein Verbrechergenie mit hypnotischen Fähigkeiten. Das einzige, was ihn mit seinem Großvater verbindet, ist sein Beruf: Auch er widmet sich der Seele des Menschen und hat sich mit unkonventionellen Methoden einen Namen gemacht.

Von der Wissenschaft verleugnet und totgeschwiegen, hat Dr. Mabuse seine publizistische Tätigkeit eingestellt und sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen. Was viele nicht wissen: Er praktiziert noch! Unserem Redakteur ist es gelungen, ihn aufzuspüren und mit ihm zu sprechen; wie, das wäre einen eigenen Beitrag wert.

Wir sind stolz, unseren LeserInnen diese exklusive Erstveröffentlichung präsentieren zu dürfen! Es ist nicht auszuschließen, dass der Beitrag verboten wird, weil er Erkenntnisse enthält, die der Öffentlichkeit nicht zuzumuten sind. Es wäre nicht das erste Mal.

Seien Sie dabei!