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Ich und der Rollmops

Cover: Mihai Grosu


Roman
216 Seiten
E-Book und Taschenbuch
Von Freitagnachmittag, wenn ich das Büro verlasse, bis Montagmorgen, wenn ich es wieder betrete, spreche ich nur mit der Sprachsteuerung meines Handys und Verkäuferinnen – Verkäuferinnen beim Bäcker, beim Metzger und im Supermarkt. Sollte ich ein weiteres Mal heiraten, wird es bestimmt eine Wurstverkäuferin – die Kleine am warmen Leberkäse ist mein Favorit. Sie heißt Güler, Gülcan, Güzel, Gül oder Gök. Ich verlange zweihundert Gramm Leberkäse, sie gibt mir dreihundert. Jedes Mal hundert Gramm mehr, einfach so.

Sehe ich so hungrig aus?

In ein paar Jahren bringt sie mir einen Zipfel Fleischwurst mit. Ich werde mich freuen wie ein junger Hund und schwanzwedelnd an ihr hochspringen, falls ich es noch schaffe.

Gül von der Fischtheke ist auch nicht übel. Letzte Woche schenkte sie mir einen Rollmops.

„Eine kleine Aufmerksamkeit. Geht aufs Haus.“

Sie kennt mich; ich kaufe meinen Fisch immer bei ihr. Dem Gegenstand in keinster Weise angemessen, schließlich war es nur ein Rollmops, freute ich mich über die Maßen. Zugleich entsetzt, dass ich mich in meinem Alter noch so freuen konnte – über einen toten Fisch. Hat mich die Trennung so erschüttert? Bin ich so demütig geworden?

“Danke,“ sagte ich überschwänglich. „Danke, Frau Gülle! Danke, danke! Das wäre doch nicht nötig gewesen. Nächstes Mal bringe ich Ihnen auch etwas mit. Mögen Sie eingelegten Hering?”

Versteckt hinter einem Tiefkühlregal, vertieft in die Betrachtung einer Schachtel Handkäse, so, als könnte ich mich zwischen zwei Sorten nicht entscheiden, behielt ich sie im Auge:

Niemand außer mir trug einen Rollmops davon!

Fröhlich und frisch verliebt schritten wir zur Kasse, der Rollmops und ich. Dem Geruch nach hatte die Verwesung schon eingesetzt. Ich nahm ihn nicht mit hoch, warf ihn gleich in die Biotonne. Tomaten, Eier, Brot – schmeckte alles nach Rollmops.


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