Direkt zum Hauptbereich

Überraschende Wende in Urheberrechtsstreit:
»Sie schreibt die Bücher, ich fange die Mäuse.«

Ach, bevor ich’s vergesse ... Ich hab’s euch ja noch gar nicht erzählt, wo ich doch sonst alles erzähle. Gerade wegen der vielen Katzenfans, die es gibt. Wartet nur, wenn ihr das hört, geht euch das Herz auf! Ach, es gibt ja so viele Neuigkeiten. Besser spät als gar nicht. Jetzt erzähl ich’s halt zum ersten Advent. Advent, Advent, ein Lichtlein brennt ... Vielleicht mache ich mal einen Band mit Adventsgeschichten für kleine und große Kinder ab 8 Jahren. Dann kommt sie da hinein, die Geschichte. Geschrieben hat sie meine Katze! Zum Vorlesen. Besinnlich. Passend zur Weihnachtszeit. Und das kam so ...

Also, neulich war ich beim Bäcker, und dann hat mich der Postbote noch aufgehalten, die Tür unten klemmt mal wieder, die Fußmatte legt sich quer oder steht hoch, was weiß ich. Der Postbote meint, ich soll sie rausschmeißen, die Fußmatte, nicht die Tür, aber auf jeden Fall aufpassen, weil bei uns dauernd eingebrochen wird - na jedenfalls: Ich komm zurück und da sitzt sie an meinem Mac, neben sich ein Schälchen Milch - und tippt, was das Zeug hält. Was sagt ihr dazu?

Okay, ich geb’s zu, das war jetzt ein dramaturgischer Trick: Das hab ich bloß so dahingesagt, damit ihr euch das besser vorstellen könnt. Wer hat schon eine hochbegabte Katze?! Eine Katze, die intelligenter ist als Herrchen oder Frauchen, das geht schnell, heutzutage. Fakt ist, dass sie nicht an meinem Mac saß: Nein, sie saß auf dem Fußboden. Die Bluetooth-Tastatur auf den Knien saß sie auf dem Fußboden und tippte sich einen Wolf. Schlagzeile: Katze tippt sich einen Wolf. Aber wir sind ja seriös und bleiben bei der Wahrheit.

Hundert Seiten - binnen einer halben Stunde. Das schaffe ich nicht einmal in einem Monat. Also, ich weiß auch nicht, wie sie das gemacht hat. Hexerei! Das Genre? Ja, also, ich sag mal - Horror. Meine Katze ist im Horrorfach unterwegs. Ich hab mich mal umgesehen, was es da so gibt: 


Es riecht so gut ihr frisches Blut: Nur Blut mein Freund, Das Blut der Apachen, Das Blut der Sonne; Blut um Mitternacht;  Blut ist dicker als Wein; Das Blut des Mondes; Zwischen Blut und Schatten; Schlechtes Blut, Verdorbenes Blut; Bitburger Blut; Blut vergisst nicht; Alles in Blut; Blut und Silber; Blut und Harz; Blut will reden; Chili im Blut; Blut für Blut; Blut und Knochen; Ihr Blut so rein; Das Flüstern des Blutes; Blut und Eisen; Versuchung des Blutes; Stimme des Blutes; Ein Koffer voll Blut; Fleisch und Blut; Blut-, Urin- und Stuhlanalysen ...  

Oder ist das schon Medizin? Ah, das ist schon Medizin. Die Übergänge sind ja fließend, es hängt ja alles mit allem zusammen. Ich kann mir nicht helfen: Das war früher alles besser.

Also, wenn ich mir den Wettbewerb so ansehe, ist sie verdammt gut aufgestellt. Meine Katze tippt ganz vorne mit. Der »Bestseller Nummer 1« bei Amazon ist gebongt!

Hätt ich ihr nicht zugetraut. Nein, hätt ich nicht gedacht. Sieht man ihr nicht an. Ich dachte immer, dass ich ... Wie heißt es so schön: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das Talent hat sie von mir. Vielleicht sollte ich es mal dem Jo Lendle schicken, aber nur wenn er mich dazu auffordert ... Nur wenn er danach VERLANGT! Wenn er danach GIERT! Wenn du dafür BRENNST, Jo, hörst du?! Ich will LEIDENSCHAFT sehen ... Der macht ja jetzt so ebooks in der Box, also in der Schachtel, um auch ein wenig mitzumischen. 


Also bei mir kommt kein eBook aus der Box. Bei mir kommt da so ein kleiner roter Springteufel raus. Egal, welches Buch sich nicht verkauft. Ich meine, das Nieveau der ächten Self Publisher wird der nie erreichen. Das soll er sich mal hinter die Ohren schreiben! Wenigstens ist das Zeug digital. Digital frisst kein Brot. Also lass ihn machen. Als fort, Frankfort.

Obwohl ich sagen muss: Vom künstlerischen Standpunkt sehe ich meine Katze eher bei Suhrkamp als bei Hanser - südöstlich von Elfriede Jelinek, nein, die ist ja bei Rowohlt, sehe ich gerade, komisch, der Walser auch, also da stimmt ja gar nichts mehr, das bringt einem das ganze Koordinatensystem durcheinander - also südöstlich von Rainald Götz und nordwestlich von Clemens Setz. Kennt die jemand? Doch, die schreiben auch Bücher. Wer eigentlich nicht?

Also wir haben uns zusammengesetzt wie zivilisierte Menschen, alles ausdiskutiert und uns miteinander ins Benehmen gesetzt. Und so sieht sie aus, unsere Lösung: Sie bekommt den Mac und schreibt weiter. Ich avanciere zu ihrem Agenten, gebe das Zeug heraus und versorge sie mit Futter. Ich kriege 100% vom Geld und sie 100% vom Fressen. In der Urheberrechtsfrage bin ich hart geblieben: Solange sie die Beine unter meinen Tisch streckt und mein Futter frisst, gehört alles, was bei ihr hinten herauskommt, unterm Strich, am Ende des Tages - also, das ist alles meins. Meins! MEINS!

Jetzt muss ich ihr nur noch beibringen, wie man das nennt - eine Win-win-Situation.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Asymmetrische Kriegführung
Offener Brief an Agenturen und Verlage

Terror nennt man asymmetrische Kriegführung. Der Einzelne gegen die Gesellschaft, der Osten gegen den Westen, David gegen Goliath. Auch Autoren führen asymmetrische Kriege - gegen die Türsteher des Literaturbetriebs, die ihnen den Zutritt verwehren; gegen Feuilletons, die sie nicht zur Kenntnis nehmen; gegen die Ökonomie der Aufmerksamkeit, die ihre Scheinwerfer auf jede Sau richtet, die durchs Dorf getrieben wird, nur nicht auf sie.


Auch ich habe unverlangt Manuskripte eingeschickt. Habe Zeit, Aufwand und Kosten investiert und bin zu der Erkenntnis gekommen: Es lohnt nicht. Stephen Hawking sagte einmal: Information bleibt erhalten. Materie verschwindet nicht, auch wenn sie in ein Schwarzes Loch fällt. Das ist falsch. Schicken Sie mal ein Manuskript an eine Agentur oder einen Verlag. Sie hören nie wieder davon. Lesen Sie es lieber Ihrer Katze vor.
Mit Qualität hat das auch, aber beileibe nicht immer zu tun. Bekannte Autoren erhielten quer durch die Bank mehr als hundert Absagen; vertret…

Die verbotene Bibliothek

Geheimes Wissen der Psychologie

Schlucken Sie keine Kröten: Fressen Sie Krokodile!
Up or Out: Wie Sie garantiert nach oben kommen!

Ein Gastbeitrag von Professor Dr. Johannes Mabuse

Neulich erschien ein Mann in meiner Praxis, Anfang vierzig, Mitarbeiter eines Unternehmens, das weniger durch erfolgreiche Geschäfte als durch Korruptionsskandale und Steuervermeidung aufgefallen ist. 

"Mein Chef sagte im Personalgespräch zu mir: Sie haben eine gute Ausbildung, Sie sehen gut aus, was im Verkauf immer ein Vorteil ist. Sie haben Hirn, aber Ihnen fehlt das gewisse Etwas: Killerinstinkt! Sie haben keinen Biss, Mann!"

"Das ist der Grund, weshalb Sie mich aufgesucht haben?"

"Ja. Er sagt, ich muss an mir arbeiten, sonst komme ich nicht weiter." 

"Richtig. Gute Entscheidung! Wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf?"

"Zweiundvierzig."

"Erstaunlich, dass Sie überhaupt so weit gekommen sind. Gut, wie kann ich Ihnen helfen, Herr ...?"

"Müller. Winnetou Müller."

"Winnetou…

Ein Wort zum Thema (Eigen-) Werbung

Eine Polemik Eigentlich hasse ich Werbung. Eigentlich brauchen meine Bücher keine Werbung. Ihre Qualität - sagen wir es zurückhaltend - kann sich mit jedem Verlagsbuch messen. Zu einem unschlagbaren Preis! Doch ich will mich nicht vergleichen, mit niemandem: Ich will gelesen werden!

Indessen nehmen die Medien selbst-publizierte Bücher nicht zur Kenntnis. In den Feuilletons und der Literaturkritik großer Zeitungen kommen sie nicht vor. Deren Autorinnen und Autoren werden gern apostrophiert als Parias, als Underdogs, als Ausgestoßene; ihre Bücher werden gemieden, als seien sie verseucht. Lieber schlägt man unisono auf den Teufel Amazon ein. Wer schreibt? Schwache, die Schwächere prügeln - Journalisten, die froh sein können, dass sie noch Jobs haben. Zum Totlachen, Jungs. Nehmt ihr euch selbst noch ernst?

Selfpublisher mögen nicht immer gut sein, man mag sie belächeln, sie können vielleicht nicht oder noch nicht schreiben - na und? Wenigstens haben sie eine faire Chance, sich ihre L…